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Wording, Denglisch & Co.
Stand: 2010-02-19
Die Sprache lebt!
Ob in der Alltagssprache, in der Arbeitswelt oder in den Medien: dauernd
kommen neue Begriffe, Schlagworte und Abkürzungen hinzu.
In jeder neuen Ausgabe des "Duden" werden neue, mittlerweile in der
Alltagssprache etablierte Wörter, aufgenommen.
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Das Internet mit seinen vielen Diensten, Techniken und Möglichkeiten
bringt eine ganz neue Begriffswelt mit sich. Das Kurs-Glossar
ist voll damit. Begriffe wie E-Business,
downloaden
etc. hat es vor Jahren noch nicht gegeben. Das Verb "Surfen"
hat eine neue Bedeutung bekommen. |
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Marketing-Abteilungen von Firmen sind ständig auf der Suche
nach neuen Namen für ihre Produkte und Dienstleistungen, die kurz
und prägnant sind, eine hohe Werbewirksamkeit bzw. Wiedererkennungswert
haben und sich möglichst von den Konkurrenzprodukten unterscheiden
(siehe auch im Glossar unter Branding
und Naming). Oft wird dabei alter Wein
in neuen Schläuchen, d.h. Namen, angeboten:
Ein Ortsgespräch wird zum "CityCall", der Fahrkartenschalter
zum "TicketCounter" |
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Auch in der Politik ist man (zumindest) beim Erfinden von Begriffen
sehr kreativ:
"Deutsche Leitkultur", "Minuswachstum" (hört sich
besser an als Rezession), "sozialverträgliches Frühableben"
(möglichst früh ins "Gras beißen", um Rentengelder oder
teure medizinische Versorgung einzusparen)
Die Gesellschaft für deutsche Sprache ermittelt jährlich
das "Wort des Jahres" (http://www.gfds.de/index.php?id=11,
Stand 2010-01),
ebenso die Aktion "Unwort des Jahres" (http://www.unwortdesjahres.org/,
Stand 2010-01):
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2003
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2004
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2005
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2006
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2007
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2008
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2009
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Wort des Jahres:
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"Das alte Europa"
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"Hartz IV"
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Bundeskanzlerin
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Fanmeile
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Klimakatastrophe
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Finanzkrise
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Abwrackprämie
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Unwort des Jahres:
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Tätervolk
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Humankapital
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Entlassungsproduktivität
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freiwillige Ausreise
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Herdprämie
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Notleidende Banken
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betriebsratsverseucht
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Englisch ist modern!
Beim Erfinden neuer Produktnamen und Slogans greift man gerne auf die
englische Sprache zurück. Englische Begriffe suggerieren "Fortschritt",
"Innovation" und "Weltoffenheit".
Wie heißt es denn jetzt:
"Ich habe die Datei gedownloaded" oder "Ich habe die Datei downgeloaded"?
Immer mehr englische Wörter (Anglizismen)
haben sich im alltäglichen deutschen Sprachgebrauch bereits durchgesetzt.
Meist werden sie 1 zu 1 übernommen. Wer englische Grundkenntnisse
besitzt, dem fällt das kaum mehr auf. Damit kann man z.B. beim Lesen
zwischen deutscher und englischer Aussprache besser "umschalten". Einigen
ist dieses deutsch-englische Misch-Masch (Denglisch)
in den Medien und der Werbung oft ein Greuel:
Leseprobe aus dem Alltag (von Johannes
Michalowsky):
"Eben bekomme ich von Customer Care der Deutschen Telekom AG die
Message, daß ich jetzt meine Rechnung Online bekomme. Ich kann sie
dann downloaden und auf meine Hard Disc storen. Nachdem ich sie auf meinem
Laser-Jet geprintet habe, kann ich sie dann dort wieder deleten, damit
sie mir nicht zuviel Space wegnimmt. Für künftigen Access habe
ich mir sicherheitshalber die URL der Web Site gebookmarkt. Bei Unklarheiten
darf ich die Hotline contacten."
(Wie gut, dass sich die englischen Verben so herrlich
deutsch konjugieren lassen!)
Damals im Supermarkt:
... und dann auch noch falsch geschrieben! (gefunden von Marianne Pachaly bei real,-)
Leseprobe aus dem Arbeitsleben:
"Heute morgen hatten wir das Kick-Off-Meeting zum neuen Workshop
zum Thema "Baselinening und Benchmarking". Dabei haben wir festgestellt,
dass einige Skills nicht in unserer Portfolio passen. Außerdem müssen
wir unser Customer Relationship Management verbessern, denn unsere Message
kommt nicht so recht rüber."
Wer immer noch nicht genug hat, möge hier
weiter lesen! |
Sprachliche Vorteile
Durch die Verwendung von Anglizismen ergeben sich eigentlich mehr Vor-
als Nachteile, solange es sich dabei nicht um vermeidbare oder Pseudo-Anglizismen
handelt:
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Es muss nicht erst ein passender deutscher Begriff gefunden werden
Unsinnig wäre es auch, krampfhaft deutsche Wörter für
englische Begriffe zu finden, die sich bereits verfestigt haben wie:
"last minute" (Torschlussangebote?), "Hardware" (Hartware?), Hotline
(Heißer-Draht?) |
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Es erleichert die internationale Zusammenarbeit in weltweit operierenden
Unternehmen (Global-Player) |
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Englischsprachige Begriffe in den Fachsprachen geben technische und
wissenschaftliche Sachverhalte exakter an.
Unterschiedliche Interpretationen werden vermieden. |
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Auch für private Auslandsreisen sind gemeinsam benutzte Vokabeln
von Vorteil. |
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International unter gleichem Namen eingeführte bzw. einführbare
Produkte und Dienstleistungen sind günstiger zu vermarkten. Werbemittel
können effektiver eingesetzt werden. |
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Aus diesen Grund tauchen in den Medien auch immer mehr englische Werbe-Slogans
(in Fachkreisen auch "Claims" genannt) auf:
"We speak railways", Adtranz
"The telephone people", Mannesmann Arcor
"For a better understanding", o.tel.o
"Sense and Simplicity", Phillips
"Your personal TV", Premiere World
"Be inspired" (Siemens mobile)
Ganz klar, dass man hier als Zielgruppe nicht unbedingt Seniorenkreise
ansprechen will.
Eine Studie im Jahr 2003 fand allerdings heraus, dass mehr als die
Hälfte der 14- bis 49-Jährigen Hauptzielgruppe zehn Werbeaussagen
nicht richtig verstanden hatten, bzw. über deren Sinn im Unklaren
waren.
So wurde der Slogan "Come in and find out" von Douglas mehrheitlich
mit "Komm herein und finde wieder heraus" übersetzt!
Umgekehrt ist ein hoher Werbeaufwand nötig, um eingeführte
Marken unter anderen Namen zu "internationalisieren".
Ein Beispiel wäre die Umbenennung des in Deutschland unter dem
Namen "Raider" bekannten Schokoriegels in die internationale Marke "Twix".
Begleitet von wochenlanger Werbung wurden die Konsumenten vorsichtig darauf
vorbereitet, um sie nicht zu verprellen. |
Man kann es auch übertreiben
Wer es arg übertreibt hat gute Chancen "Sprachpanscher des Jahres"
zu werden.
Diesen Preis vergibt der "Verein Deutsche Sprache e.V." (http://www.vds-ev.de/,
Stand 2006-01):
Wegen seiner bemerkenswerten Fehlleistungen im Umgang
mit der deutschen Sprache hat die Mitgliederversammlung des "Vereins zur
Wahrung der deutschen Sprache e.V."
Herrn Dr. Johannes Ludewig zum Sprachpanscher des Jahres 1999 gewählt.
Damit würdigt der Verein den konsequenten Ausstieg
aus der deutschen Sprache durch die von Dr. Ludewig geführte "Deutsche
Bahn AG". Wir empfinden die "service points" und "ticket counters", die
"db-lounges" und "McCleans" auf deutschen Bahnhöfen wie auch das sonstige
pseudokosmopolitische Imponiergehabe der Deutschen Bahn AG als unhöflich
und anmaßend zu inländischen und ausländischen Kunden gleichermaßen,
die in ihrer großen Mehrzahl des Englischen nicht mächtig sind
und sich von dieser Anrede in einer fremden Sprache überrumpelt und
entmündigt fühlen.
Sprachpanscher 2003 wurde Gerhard
Mayer-Vorfelder, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes für
Produktbezeichnungen im DFB-Katalog "Fan Corner" wie "Home & Away Shirts",
"Signature Shirts" und "Reversible Tops". |
Konsequenter sind da die Franzosen. Deren Sprachgesetz, das "Loi Toubon",
verbietet die Benutzung ausländischer Wörter in Verwaltung, Werbung,
Radio und Fernsehen. So wird die französische Sprache vor "Verunreinigungen"
geschützt.
Statt "Fast-Food" heißt es "pret a manger", statt Byte: "octet",
statt Fax: "telecopie", statt Compact-Disc:"disque compact", statt Cybernaut:
"internaute" und der Computer ist immer
noch der "ordinateur".
Deshalb gelten die Franzosen auch als "Fremdsprachenmuffel", was für
internationale Unternehmen einen gewissen Standortnachteil darstellt.
Es kann aber auch peinlich werden
Von Pseudo-Anglizismen spricht man dann, wenn es diese Begriffe im
Englischen gar nicht gibt oder sie in anderen Zusammenhängen verwendet
werden.
| Pseudo-Anglizismen |
gemeint ist |
Englische Bedeutung: |
Englischer Begriff wäre: |
| Handy |
Mobiltelefon |
Adjektiv für "praktisch", "handlich" |
"cellular phone" oder "mobile phone" |
| Dressman |
männliches Modell für Modeschauen |
- gibt es nicht - |
"male model" |
| Pullunder |
meist kurzer, ärmelloser Pullover |
- gibt es nicht - |
"sleeveless pullover" |
| Showmaster |
Unterhaltungskünstler |
- gibt es nicht - |
entertainer |
| Oldtimer |
altes Auto/Flugzeug etc. |
alter, erfahrener Mensch / Veteran |
classic car/plane/ etc. |
Fragen Sie also nicht im Urlaub: "Can I use your handy?".
Wording in Firmen
Viele - vor allem international arbeitende - Unternehmen geben sich
neben dem "Corporate-Design" auch ein "Corporate-Wording"
d.h. eine Unternehmenssprache.
Wer sich gestern noch Geschäftsführer nannte, ist plötzlich
Chief
Executive Officer (oder kurz CEO), der erfahrene Berater wird zum Senior
Consultant, ein Produkt mit hoher Gewinnspanne wird zur Cash-Cow,
die Herausforderung des Marktes wird zur Challenge. Das vereinfacht,
wie oben schon erwähnt, die internationale Zusammenarbeit.
Oft hat das Management beim Erstellen von Präsentationen und dem
Formulieren von Informationen an die Mitarbeiter die Bodenhaftung verloren:
Manager- und Mitarbeitersprache sind unterschiedlich.
"Wir müssen uns auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren und
Synergien nutzen. Unser Produktgeschäft können wir mit einem
zusätzlichen B2C-Portal ankurbeln. Im E-Servive erhöhen Callcenter
und Hotlinedienste den Benefit beim Kunden."
Kein Wunder, wenn Mitarbeiter mit Misstrauen und Desinteresse reagieren.
Bei solchen deutsch-englischen Wort-Kreationen weiss man oft nicht mehr,
ob man lachen oder heulen soll:
(Oder wusste sein Schöpfer nur nicht das englische Wort für
Leihwagen?)
Das ist ungefähr so wie "Ein bisschen schwanger".
Deshalb einige "Wording"-Regeln:
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Wenn Sender (Referent, Vortragender, Autor) und seine Empfänger
(Schulungsteilnehmer, Zuhörer, Kunde, Leser) nicht eine gemeinsame
Sprache sprechen, kann man sich auch nicht verstehen. Man redet aneinander
vorbei. Der Sender wird im Extremfall als Dampfplauderer, Sprachpanscher
oder Folienkünstler empfunden, wenn er mit kurzlebigen "Schickimicki-Vokabeln"
zu beeindrucken versucht.
Dies kann oft unfreiwillig sein, wenn z.B. nach einer Fusion zweier
Firmen unterschiedliche Begriffswelten aufeinander prallen.
Weiterer typischer Effekt: Der Sender nimmt an, die Zielgruppe versteht
das Vokabular, was er schon verinnerlicht hat.
Der gleiche Inhalt muss eventuell, je nach Zielgruppe, unterschiedlich
formuliert (übersetzt/angepasst) werden. |
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Wording in Firmen muss gelebt und gepflegt werden. Werden in schneller
Reihenfolge Begriffe gewechselt, leidet die Glaubwürdigkeit. Wording
gehört, wie das Corporate-Design,
zur Corporate-Identity einer
Firma. |
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Wording braucht ein Wörterbuch
Wie bei jeder Sprache bedarf es auch für die firmen-spezifischen
Begriffe eines eigenen Wörterbuchs. Unterschiedliche Interpretationen
können vermieden werden. Nicht nur neue Mitarbeiter können damit
die
notwendigen Vokabeln lernen. |
©
Bernd Zimmermann 1997-2010 |